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Thomas Gehring zu „Mundart und regionale Kultur“

24. April 2018: Neuer Unterrichtsschwerpunkt „Mundart und regionale Kultur“: ist das sinnvoll und welche Schwerpunkte sollte man setzen? Von Thomas Gehring, MdL

Eigentlich ist der vom Ministerpräsidenten angekündigte Unterrichtsschwerpunkt nicht richtig neu. In den Lehrplänen aller Schularten, in den Fortbildungen und auch im Rahmen der pädagogischen Freiheit der Lehrkräfte finden Dialekt und regionale Kultur ihren Platz. Die Dialekte in Bayern stehen für die kulturelle und historische Vielfalt des Freistaates, sie sind Ausdruck regionaler Identitäten und wer Dialekt spricht, profitiert auch im hochsprachlichen Gebrauch.

Dialekt stellt eine Erweiterung der rhetorischen Möglichkeiten in einer Sprache dar, viele gute Schriftsteller*innen sind Dialektsprecher*innen. Und die Vielfalt der Dialekte in Bayern ist groß. Mein oberallgäuer Dialekt weist schon Unterschiede zum Unterallgäuerischen, zur Sprache der Menschen im Ries und im Augsburger Umland auf und wir sind alle noch im Regierungsbezirk Schwaben. Auch die Sprache, die in den Haßbergen gesprochen wird, ist „ganz anders“ unterfränkisch als die Sprache in Miltenberg. Und bairisch ist nicht gleich bairisch.
Ja, in der Schule soll der Dialekt auch im Unterricht vorkommen, aber bitte nicht nur in seiner harmlosen, folkloristischen Verflachung, sondern auch da, wo er Sachverhalte oder Gefühle pointierter, vermeintlich derber, klarer, auch zärtlicher, also einfach anders auf den Punkt bringen kann. Wichtig ist, dass der Bezug zum Dialekt wie auch zur regionalen Kultur für die Schüler*innen den „Bezug zum Konkreten“ herstellt, so dass der Unterrichtsstoff dadurch anschaulicher vermittelt wird. Wie war das bei der Revolution 1918 bei uns vor Ort? Was sagt die abweichende Bedeutung eines Begriffs im Dialekt über ein Stück Kulturgeschichte aus? Wie lassen sich grammatikalische Regeln anhand von Dialekt einfacher herleiten?
„Bezug zum Konkreten“ heißt nicht nur, den Bezug zu Dialekten herzustellen, sondern auch zu Soziolekten, die etwa in einzelnen Stadtteilen oder Gruppen unserer Gesellschaft gesprochen werden. Und: wir müssen auch den Unterricht in der „Hochsprache“ (ich spreche lieber von Standarddeutsch) für alle Schüler*innen, ob Einheimische in den jeweiligen Regionen, Zugezogene oder Migrant*innen, verstärken, damit wir uns in unserer Vielfalt besser miteinander verständigen können. Ein bayerischer, noch dazu bairischer „Einheitsdialekt“, wäre ja auch ein Graus.


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